Warum nicht einfach "amazon" & Co.?

Als Autor meint man zunächst, ein nettes Buch schreiben zu müssen, dann an einige Verlage und nach kurzer Zeit in einem derer Programme zu landen, denn einer hatte bestimmt auf einen gewartet. Und das Buch passt ja. Nein, so ist es nicht, und dieser Weisheitszahn wird einem schnell unter Schmerzen gezogen.

 

Niemand hat gewartet. So wendet man sich an einen Anbieter von Print on Demand (PoD), liefert dort ein sehr schön gesetztes - mit einem persönlich sehr ansprechenden Cover versehenes – Manuskript ein und hält nach kurzer Zeit sein eigenes Buch in Händen, versehen mit einer ISBN und der Gewissheit, dass es ab  sofort in der gesamten Welt online erhältlich ist. Stimmt, doch niemand weiß von deinem Buch oder fragt auf den Portalen nach deinem Namen.

 

Du besuchst den örtlichen Buchhändler deines Vertrauens, einige Bücher in der Aktentasche. Doch der denkt nur an die Finanzierung seines Buchladens und wie er das denn wohl mit der geringen Marge schaffen soll, die ihm dein Taschen-Buch erhoffen lässt. Im Schaufenster werben wird er nicht, da der Platz dort für die Bestseller reserviert ist. Und wenn denn doch mal ein Buch nachgefragt wird, dann bringe es schnell vorbei – dafür finanzierst du also auch noch sein Lager. Da freut sich nur die Tankstelle.

 

"Versuchen Sie es doch im Internet", rät er sogar, er, der zwei Wochen später allerdings dafür wirbt, doch bitteschön den örtlichen Einzelhandel zu unterstützen, statt im Internet einzukaufen. Ja, er hat es auch nicht leicht, gibt ja auch immer weniger Nachwuchs dort.

 

Der Knackepunkt ist die Werbung, das sagt man dir auch bei deinem PoD-Anbieter. Du sollst dich bei den verschiedenen Bloggern bekannt machen, dort kräftig posten, dann bekommst du auch Rezensionen, es gibt sogar ein weltweites Forum von Büchern (55 Mio. Titel) da musst du rein und als Autor Werbung für deine Bücher machen. Alles klar, also es bleibt eine klassische Verlagsarbeit übrig: Werbung und wenn die zieht, der Vertrieb bzw. die Auslieferung. Das mit den Rechnungen haben wir bereits in unserem Leben gelernt.

 

Dann kann man ja vielleicht auch an einen eigenen Verlag denken … denkt man und recherchiert erste Kosten. Und siehe da, Bücher lassen sich deutlich preisgünstiger herstellen als bislang erfahren, was zusätzliche Kosten auffängt, bleibt man mit dem Verkaufspreis im bekannten Rahmen. Jetzt wird es im überschaubaren Risikorahmen unternehmerisch, jetzt wird das Buch zum (immer noch geliebten) marktfähigen Produkt. Eigentlich hatte ich mir das mein Leben lang so vorgestellt. Und eigentlich macht das erst wirklich frei – auch wenn es jetzt um ein neues Lernfeld geht, mit z. Z. noch sehr unübersichtlichen Strukturen – doch dazu später einmal mehr.

 

Ja, warum nicht einfach "amazon" & Co.? Richtig, man wird dort auch seine Bücher vertreiben wollen / müssen, weil sich der stationäre Handel nicht für neue Autoren interessiert. Aber zwischen "Geschäftemachen" mit amazon und der vollständigen Überlassung der Produktion des kleinen Verlagsprogramms bestehen Unterschiede.

 

Sind die kenntlich geworden? Ich lege gerne nach! 

 


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